Ein Bekenntnis: Die Liebe zum Theater

Die Liebe zum Theater wurde in der Nach-Gründgens-Ära unter Karl-Heinz Stroux im Düsseldorfer Schauspielhaus und auch durch wunderbare Inszenierungen in den damaligen Kammerspielen geweckt.

Nach den finsteren Jahren der Diktatur saugten wir begierig das Welttheater der Zeit in uns auf, von dem unsere Eltern abgeschnitten und folglich wir jungen Leute von damals noch nicht beleckt waren.

 

Nach den ersten Jahren der Euphorie kehrte auch auf den Bühnen der Alltag ein. Wie bei anderen Künsten bildeten sich neue Stilrichtungen heraus, die vielen von uns nicht behagten, die aber heute längst akzeptiert sind oder sogar schon wieder als überholt gelten.

 

Besonders störend empfanden wir, dass den alten Dichtern, die sich posthum nicht mehr wehren konnten, in unseren Augen Gewalt angetan und ihre Stücke bis zur Unkenntlichkeit verändert wurden. Wir, die dies als Sakrileg betrachteten, hielten ein Theater liebendes Publikum auch weiterhin für fähig, die Ideen der Alten mit den Augen der Moderne zu sehen und eigene Schlüsse zu ziehen.

 

Dabei lag der Gedanke nicht fern, eigene Stücke zu schreiben, die sich den Problemen der Gegenwart stellen, und sei es durch Rückgriffe auf die Vergangenheit. Für jemanden, der die Literatur liebt, liegt es nahe, dass dieses Theater ein literarisches Theater sein soll mit klarer Sprache und Aussage. Ein Dogma ist dieses Bekenntnis nicht. Jede Form muss sich schließlich beweisen und sein eigenes Publikum finden. So bleibt die Bühne auch weiterhin ein ewiges Experimentierfeld.

 

Herbert Asbeck

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