Die Reise nach S.

Eine Erzählung

PROLOG

Leben ist ein Prozess nach höherem Recht: Jeder ist zum Tod verurteilt.

Doch der Aufgeklärte, mit dem Siegel der Vernunft auf der Stirn, leugnet Richter und Spruch. Es gibt nichts, was über die Zeit hinaus geht. Keine Sühne für Taten und Unterlassungen. Wie mit einem unbarmherzigen Schwamm ausgelöscht die weißen Kreidemäander auf schwarzer Tafel. Die steilen, unsicheren Buchstaben. Das Leben, für ewig ausgelöscht. Und doch fürchtet er, ins Nichts zu fallen, das er gepredigt hat.

Der Gläubige, wissend um ewige Gerechtigkeit, für den Tod das Tor zur Erlösung ist, zittert vor dem Gericht, dem Tag der Rechenschaft, wenn Gott fragt: „Wo ist Abel?“ „Ich habe ihn  nicht erschlagen“, wird er sagen. „Aber du hast Kain den Stein gereicht, mit dem er Abel erschlug!“ Er wird erwidern: „Ich dachte, Kain sucht einen Opferstein, oder er will seine Grenze neu markieren.“ Er weiß, für ihn gibt es keine Endlichkeit, nur Rache oder Vergebung.

Und so wird gebangt und gehofft im Wartesaal des Todes. Es sterben die Gelehrten und die Einfältigen, nach ihren Opfern die Täter und alle, die Abel nicht gerettet haben.

… „Wir können aber das Trauma der Vergangenheit nur überwinden durch absolute Wahrheit.“ Die hat der Autor in seinem Buch in bedrückender Dichte geschildert…

                                                                                     Neue Rhein-Zeitung

…Gleichwohl widmet sich der Autor in „Die Reise nach S.“ nicht der erzählerischen Bewältigung politischer Fakten, sondern stellt die Menschendarstellung eindeutig in den Vordergrund. Das macht das Buch (…) so lesenswert.

                                                                                     Rheinische Post

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© Herbert Asbeck